Corona-Update mit DEGAM-Präsident Martin Scherer

Die irren Formeln einer Pandemie

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Die Lockdown-Maßnahmen in vielen Ländern der Welt sollen Millionen Todesfälle durch das Coronavirus verhindert haben. Und noch sehr viel mehr zusätzliche Erkrankungsfälle und Infektionen. Das zeigen immer neue Studien, die mittlerweile täglich in hochrangigen Journals veröffentlicht werden.

Doch diese Studien sind Modellrechnungen. Welche Aussagekraft können diese Analysen überhaupt haben? Wie stichhaltig sind die Ergebnisse? Und können wir sie einfach für bare Münze nehmen und aus ihnen schließen, welche Maßnahmen richtig, welche falsch waren?

In dieser "CoronaUpdate"-Episode gehen wir kritisch mit diesen Modellierungen ins Gericht. Und wir fragen uns, was eigentlich mit den Nebenwirkungen der Lockdown-Maßnahmen ist. Denn die sind bis dato kaum Teil dieser Analysen und Modellrechnungen.

Quellen:

  1. Liu M, Cheng SZ, Xu KW, et al. Use of personal protective equipment against coronavirus disease 2019 by healthcare professionals in Wuhan, China: cross sectional study. BMJ. 2020;369:m2195. Published 2020 Jun 10. doi: https://doi.org/10.1136/bmj.m2195
  2. Flaxman S, Mishra S, Gandy A, et al. Estimating the effects of non-pharmaceutical interventions on COVID-19 in Europe [published online ahead of print, 2020 Jun 8]. Nature. 2020;10.1038/s41586-020-2405-7. doi: https://doi.org/10.1038/s41586-020-2405-7
  3. Hsiang S, Allen D, Annan-Phan S, et al. The effect of large-scale anti-contagion policies on the COVID-19 pandemic [published online ahead of print, 2020 Jun 8]. Nature. 2020;10.1038/s41586-020-2404-8. doi: https://doi.org/10.1038/s41586-020-2404-8
  4. Andrew C, Mark J, Charlotte WG, et al. Global, regional, and national estimates of the population at increased risk of severe COVID-19 due to underlying health conditions in 2020: a modelling study. The Lancet. Published 2020 Jun 15. doi: https://doi.org/10.1016/S2214-109X(20)30264-3
  5. Timo M, Reinhold K, Johannes R, Klaus W. Face Masks Considerably Reduce COVID-19 Cases in Germany: A Synthetic Control Method Approach. IZA DISCUSSION PAPER NO. 13319. Published 2020 Jun 9. http://ftp.iza.org/dp13319.pdf
  6. Zhang R, Li Y, Zhang AL, Wang Y, Molina MJ. Identifying airborne transmission as the dominant route for the spread of COVID-19 [published online ahead of print, 2020 Jun 11]. Proc Natl Acad Sci U S A. 2020;202009637. doi: https://doi.org/10.1073/pnas.2009637117

Kommentare

Boris Schoon
by Boris Schoon on
Vielen Dank für diesen ausgesprochen objektiven Podcast! Wenn man bedenkt, dass im Zeitraum bis zum 15.06. ungefähr 12,5 mal so viele Personen an (oder mit) Krebs verstorben sind und lediglich ca. 2% aller bis dahin Verstorbenen positiv auf Covid-19 getestet wurden, könnte man auf die Idee kommen, dass andere negative Einflussfaktoren auf unsere Lebensdauer verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit bekommen. Jedenfalls sind im Vergleich zu den an oder mit Covid-19 verstorbenen Ü60ern im gleichen Zeitraum knapp 5 mal so viele unter 60-jährige durch andere Ereignisse verstorben - davon rund 1/3 begünstigt durch Tumoren In Anbetracht der Tatsache, dass die bisher durchgeführten Maßnahmen ungeheuerlich viele finanzielle Ressourcen vernichtet haben, frage ich mich, ob die bisher durchgeführte Strategie tatsächlich klug war - insbesondere wenn dieses jetzt einen negativen Einfluss auf die zukünftige finanzielle Ausstattung unseres Gesundheitssystem haben sollte und evtl deutlich wichtigere Problemfelder weniger üppig bedacht werden können. Die jüngste Entwicklung des Infektionsgeschen deutet jedenfalls darauf hin, dass angemessene Hygeniemaßnahmen die Ausbreitung des Virus bereits ziemlich deutlich minimieren - und hätte man dies bereits Mitte März stärker berücksichtigt, hätten wir uns den Löwenanteil an Verstorbenen wahrscheinlich erspart. Denn die unterschiedliche Gesamtletalität beruht nach meinen Berechnungen primär auf der jeweiligen Altersverteilung der Infizierten - und mit einem Infektionsgeschehen bzw einer Altersverteilung wie in Südkorea, wäre diese mit unserem Test- und Diagnosemuster nur halb so groß wie momentan bzw bei einer Altersverteilung wie in Spanien, Schweden, Belgien oder Italien ungefähr doppelt so hoch. Die vermeintlich noch höhere Letalität in Belgien beruht meines Erachtens jedenfalls primär auf einer Überschätzung (oder eben Unterschätzung in Deutschland) und die Schweden stehen vermeintlich schlecht da, weil die Durchseuchung wahrscheinlich deutlich höher ist, ohne dass die Antikörper-Positiven bei der Berechnung der Letalität berücksichtigt werden und weil die ermittelte Altersverteilung ähnlich ungünstig ist wie in Italien, Spanien und Co. In Anbetracht der Tatsache, dass niemand weiß, wann und ob es jemals einen Impfstoff für die breite Bevölkerung geben wird, die Gefährdung durch andere Einflüsse aber deutlich größer ist, halte ich den schwedischen Weg durchaus für legitim und der Fokus sollte viel stärker auf angemessene Hygeniemaßnahmen gelegt werden, die neben der Gefährdung durch Covid-19 auch viele andere Risiken minimiert. Dass der Mangel an Pfennigartikeln letztendlich einen Billionenschaden begünstigt hat, ist natürlich doof - aber nicht zuletzt deswegen sollte jetzt und in Zukunft auf eine angemessene Verhältnismäßigkeit geachtet werden (und das betrifft nicht nur die zuletzt getätigten Investitionen in die zivile Luftfahrt und den Außenhandel im Vergleich zu den Almosen für die Beschäftigten der offensichtlich systemrelevanten Berufe). Und natürlich sollte der durch Covid-19 begünstige Tod weitgehend vermieden werden, aber die bis heute in Kauf genommenen Kollateralschäden lassen sich wahrscheinlich selbst bei einer final 66%igen Durchseuchung mit dementsprechend vielen Verstorbenen weder vor den nachvollgenden Generation noch dem Rest der Welt mit all ihren Problemfeldern rechtfertigen.

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